Stefan Vögel

Altwyyber-Friehlig
nach einem der bezauberndsten und erfolgreichsten Schweizer Spielfilme: "Die Herbstzeitlosen".

Im Spielplan ab 14. Oktober 2011 - 20.00 Uhr

Filmplakat von "Die Herbstzeitlosen" (2006)


Ein verschlafenes Dörfchen im Baselbiet. – Eine lebensfreudige Witwe und ihre Freundinnen, die sich nicht unterkriegen lassen. Sie stellen das Leben im Dorf mit Charme, Herz und Biss gehörig auf den Kopf. – Die zauberhafte Komödie erzählt von der zweiten Chance im Leben und vom Mut, der nötig ist, um sie zu nutzen – denn für die Verwirklichung von Träumen ist es nie zu spät…!

Schauspiel:Caroline Felber, Brigitta Laube, Kristina Nel, Pirkko Nidecker, Gisèle Rastberger, Stefan Uehlinger, Percy von Tomëi

Inszenierung: Sandra Förnbacher und Markus Schlueter


und das sagt die Presse:

Das brüchige Dorfidyll
Die Komödie "Altwyyber-Friehlig"bei der Helmut Förnbacher Theater Company Basel.

Viel Theater um ein kleines hauchzartes Stückchen Stoff: Die Negligés, Korsetts und Spitzenhöschen in der Dessous-Boutique der Witwe Martha versetzen ein betuliches Schweizer Dorf in Aufruhr. Doch eigentlich geht es in der Komödie "Altwyyber-Friehlig" nicht um Reizwäsche, sondern um viel, viel mehr: um vier ältere Frauen, die noch mal richtig durchstarten, sich ihre Jugendträume erfüllen, gegen die Widerstände der Gesellschaft.

Die Geschichte von Martha und den aufreizenden Miederwaren dürfte Filmfans bekannt sein aus dem Schweizer Spielfilm "Die Herbstzeitlosen", der ein Kinoschlager war. Nach diesem Drehbuch entstand die Theaterfassung von Stefan Vögel, die nun die Helmut Förnbacher Theater Company im Badischen Bahnhof Basel in baseldytscher Mundart inszeniert. Dabei zeigt sich, dass sich diese Geschichte über Frauen, die im Alter ihre zweite Chance im Leben nutzen, sehr gut für die Theaterbühne eignet.

Erstmals bei einem Abendstück führt Förnbachers Tochter Sandra Regie, zusammen mit Markus Schlueter. Das junge Regisseur-Duo setzt das Stück feinfühlig, szenisch pointiert und wirkungssicher um. Die Geschichte wird wohltuend ruhig erzählt, mit liebevoll gezeichneten Figuren und der richtigen Mischung aus Humor, Witz und Tiefgang. Schließlich dreht sich die Komödie auch um das Thema Alter und die Frage, wie man seine Träume lebt. Schauplatz ist das fiktive Nest Blüemliswil im Baselbiet. Aber die Geschichte könnte überall spielen, wo festgefahrenes Denken auf Neues prallt. So löst es Entrüstung und scheinheilige Empörung aus, als die gelernte Schneiderin Martha den Dessous-Laden "Petit-Paris" aufmacht. Der Gemeindepräsident entrüstet sich über den "Firlefanz" und sieht Ordnung und Moral im Dorf gefährdet. Marthas Sohn, der Dorfpfarrer, fürchtet um Anstand und seinen Ruf. Doch Martha und ihre Freundinnen lassen sich auch durch nächtliche Einbrüche, Diebstahl und Sprayer-Aktionen nicht entmutigen, sondern zeigen sich kämpferisch.

Dass die Komödie so liebenswürdig und humorvoll rüberkommt, liegt auch an den vier hinreißenden Schauspielerinnen, die diese so unterschiedlichen Frauencharaktere sehr treffend darstellen. Caroline Felber gibt mit Herzenswärme die anfangs verhärmte Witwe, die sich langsam traut, ein eigenes Leben zu führen und zur unternehmungslustigen Geschäftsfrau wird. Als flippige Lizi, die in hautengen Jeans, poppigen T-Shirts und frechen Sprüchen die Aufmüpfigste und Lebenslustigste des Quartetts ist, fegt Kristina Nel den Dorfmief einfach weg. Große Klasse auch Gisèle Rastberger als selbstbewusste Frieda, die in ihren eleganten Kostümen und Hüten aussieht, als wolle sie zum Pferderennen. Mit trockenem Humor und bodenständiger Art begeistert Pirkko Nidecker als Hanni, die in Kittelschürze und Gummistiefeln den patenten Hausfrauentyp verkörpert. Auch sie verändert sich im Lauf des Stücks, lässt sich nicht länger herumkommandieren.

Stefan Uehlinger gibt als Gemeindepräsident Fritz die herrliche Parodie eines sturköpfigen Dorfpolitikers, wenn er vehemente Schmähreden gegen die sündige Reizwäsche-Boutique schwingt. Percy von Tomei als Pfarrer und Brigitta Laube als seine heimliche Geliebte Shirley mischen das brüchige Dorfidyll auf. Auch die Musikeinblendungen illustrieren geschickt den Fortlauf der Geschichte. Zuerst ertönen Alphornklänge und Ländler, dann französische Chansons von Edith Piaf wie "La Vie en rose", zu denen die vier Heldinnen träumen und mit den Schneiderpuppen tanzen - und mit Charme und Durchsetzungsvermögen die Premierenbesucher erobern!

Badische Zeitung
Roswitha Frey



Wie Baselbieterinnen den zweiten Frühling erleben
Die Mundart-Komödie «Altwyyber-Friehlig» kommt von Herzen und geht zu Herzen.

Es ist schwierig, mit einem erfolgreichen Film wie «Die Herbstzeitlosen» zu konkurrieren. Doch wie meinte Helmut Förnbacher zu Beginn der Premiere des Stücks «Altwyyber-Friehlig» in seinem Theater im Badischen Bahnhof: «Es eignet sich wunderbar für die Theaterbühne.» Tut es.

Es braucht nur einen Raum, in diesem Fall den Laden der Protagonistin Martha und tragende Schauspielerinnen und Schauspieler. Das Ensemble lässt Stephanie Glaser und Co. schnell vergessen. Die vier älteren Damen aus Blüemliswil, dem fiktiven Baselbieter Dorf, wo die Mundart-Komödie von Stefan Vögel angesiedelt ist, spielen sich in die Herzen des Publikums - und die beiden Herren im Stück sorgen für viele Lacher.

Herzliche Leichtigkeit
Der «Altwyyber-Friehlig» ist mit einer herzlichen Leichtigkeit inszeniert, die das Publikum sofort für sich einnimmt. Die Witwe Martha lebt auf, erlebt ihren zweiten Frühling und verwirklicht - dank ihren Freundinnen - ihren Traum einer Dessous-Boutique. Im Bauerndorf wird dies argwöhnisch beobachtet, selbst von Freundin Hanni, und das Geschäft wird von Marthas Sohn, dem Pfarrer, sowie dem Gemeindepräsidenten mehr als einmal sabotiert.

Doch die «alten Weiber» lassen sich nicht unterkriegen. Je länger der Abend, desto mehr trumpfen sie auf, auch schauspielerisch. An der Premiere ernten praktisch alle Bravo-Rufe. Caroline Felber überzeugt als Martha mit ihrer Wandlung von der trauernden Witwe zur eleganten Geschäftsfrau. Pirkko Nidecker ist eine herrliche Baselbieter Bäuerin, die sich emanzipiert. Und Gisèle Rastberger glänzt als vornehme Frieda von Allmen. Gross auch der Applaus für Stefan Uehlinger in einer Paraderolle als durchtriebener Dorfpolitiker.

Im Stück gehen allerdings die Nebengeschichten, die im Film prominenter vorkommen, etwas unter. Und mit ihnen deren Protagonisten, allen voran Lizi - die beste Freundin von Martha - und ihre Tochter Shirley. So erhalten Kristina Nel, Brigitta Laube und Percy von Tomeï nicht genug Raum, um ihr ganzes Können auszuspielen.

Lustige Regieeinfälle
Dafür versüssen kleine, lustige Regieeinfälle die Aufführung im wahrsten Sinne des Wortes. Pfarrer und Gemeindepräsident greifen gerne in die Süssigkeitengläser oder zu den aufgetischten Muffins.

Effektvoll auch die musikalische Untermalung des Stücks: Disharmonische Alphörner begleiten die Männer bei ihren Auftritten oder bösen Akten gegenüber den Frauen. Schweizerörgeli gibt es, sobald die Stimmung im Dorf wieder geglättet ist. Und Edith Piaf ist zu hören, wenn es um die Ideen und Träume der Frauen geht oder um die Boutique «Petit Paris». Grossartig zum Schluss die erotische Einlage zu Tom Jones... Man darf Sandra Förnbacher zu ihrer ersten Abendinszenierung gratulieren, die sie zusammen mit Markus Schlueter gemacht hat.

Basellandschaftliche Zeitung
Andrea Masek


Angst vor dem Alter haben diese Damen nicht
Mundart-Komödie Altwyyber-Friehlig der Förnbacher Theater Company im Theater im Badischen Bahnhof

Nach dem Film Die Herbstzeitlosen, dem erfolgreichsten Schweizer Film der letzten 30 Jahre, der es auch ins Ausland geschafft hat, schrieb Stefan Vögel mit Altwyyber-Friehlig eine Mundart-Komödie, mit der jetzt das Förnbacher Theater in Basel die Generation 60 plus anspricht. Erzählt wird die Geschichte von Martha, die zusammen mit ihrer lebenslustigen Freundin Lizi und anderen Damen ihres honorigen Altenkränzchens noch mal richtig durchstartet und mit einer eigenen Dessous-Boutique ihren Jugendtraum verwirklicht. Auf der Bühne hängen lauter Spitzenträume: Büstenhalter, Negligés, Korsetts und heiße Höschen.

Das Thema des Stücks passt bestens in die Landschaft der derzeit gern diskutierten Alterungsprobleme. Als hätten sie sich das Methusalem-Komplott zu Herzen genommen, sind die alten Damen in ihrem zweiten Frühling, die sich in einer Art Selbsthilfe-Gruppe zu gewieften Geschäftsfrauen mausern, das beste Plädoyer für ein selbstbewusstes Altern. Sie tun nicht nur was gegen die Vergreisung, sondern machen das Richtige gegen den Terror der Altersangst. Das ist doch eine tröstliche Perspektive in unserer Methusalem-Gesellschaft!

In dieser zauberhaften Komödie kommt es notgedrungen zum Krieg der Generationen, wenn zwei der Söhne vehement Front gegen dieses späte Glück von Martha Co machen. Der Generationskonflikt kulminiert in Einbrüchen in den Laden und böswilligen Schmierereien. Doch Martha und ihre Freundinnen lassen sich das nicht gefallen, sie werden zu grauen Panthern, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und um ihr Miederwaren-Geschäft Petit Paris und gegen Mobbing kämpfen.

Oberfiesling und Ekel vom Dienst ist der Gemeindepräsident des fiktiven Baselbieter Dorfs Blüemliswil, den Stefan Uehlinger als Kotzbrocken und Karikatur eines engstirnigen Provinzpolitikers spielt. Auch der Pfarrer Walter (scheinheilig wie Don Camillo: Percy von Tomëi) kanzelt seine Mutter Martha ab, obwohl er selber auf Abwegen ist (mein Gott, Walter!). Gegen das starke Damenquartett der Hauptdarstellerinnen haben die beiden Intriganten aber keine Chance. Martha (Caroline Felber) überwindet zunehmend ihre Altersangst und wickelt ganz flott ihre Geschäfte am Handy auf englisch und französisch ab. Ulkig ist Gisèle Rastberger als hochnäsig hereinstöckelnde, vornehme Dame aus besseren Kreisen im Chanel-Kostüm mit Ascot-Hütchen. Die Bieder-Bäuerliche in Gummistiefeln ist Hanni (Pirkko Nidecker); das krasse Gegenteil die jugendlich-ausgeflippte, quirlige Lizi (Kristina Nel).

Die Theater-Youngster Sandra Förnbacher (sie führt zum ersten Mal Abendregie) und Markus Schlueter, Assistent von Helmut Förnbacher, ziehen in ihrem beachtlichen Regie-Debüt gegen negative Stereotypien vom Altern zu Felde. Sie inszenieren in guter Förnbacher-Tradition, machen aus Marthas edel-antiquierter Boutique mit Edelweiß-Stickerei keinen modernistisch-anrüchigen Reizwäsche-Shop. Vielmehr bringt das junge Regie-Team eine liebevolle Komödie mit der richtig unterlegten Musik (vom Alphorn bis zu Piaf-Chansons) auf die Bretter in der Theaterhalle im Badischen Bahnhof und eine Menge Spitzenhemdchen, Slips und Stringtangas an die Wäscheständer. Von wegen Liebestötern

Jürgen Scharf
Die Oberbadische