| Arthur Schnitzler |
| Reigen - La Ronde Als Gastspiel eingeladen von Bayer Kultur Leverkusen 2011 |
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Filmplakat von Max Ophüls "La Ronde" (1950) |
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Die ganze Welt träumt von der Liebe. Wie facettenreich sich dieser Traum gestalten kann erlebt man bei den fünf Paaren, die sehnsuchtsvoll nach Liebe dürsten. Wie es der Zufall will, kreuzen sich ihre Wege. Es ist ein Wechselspiel der flüchtigen Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Bedürfnissen. Die schönste Nebensache der Welt ist zweifellos das Zentrum, um das sich alles dreht. Wer erobert wen am schnellsten, das ist hier die Frage. Und erobert wird hier am laufenden Band. Es ist ein Reigen der Verlockung, des Lügens und Liebens, der Hingabe und nicht selten auch der Enttäuschung. Es ist ein wunderbarer Text über das ewige Spiel aus Werbung, Paarung, Erfüllung und Ernüchterung. Der Reigen der Liebe ist ohne Ende und wird sich wiederholen, solange die Welt nicht untergeht. |
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Schauspiel: Anja Becher Michael R. Buseke Karin Ochsner Christian Packbier |
Und das sagt die Presse: |
Erfrischend modern und voller Einfälle Arthur Schnitzlers "Reigen" in der Verena Buss-Inszenierung zum Saisonauftakt der Helmut Förnbacher Theater Company in Basel. Eine lange Tafel mit weißem Tischtuch, Gläser, Weinflaschen, ein Kübel mit weißen Rosen. Auf der anderen Seite ein Gewächshaus mit wuchernden Pflanzen. Und über allem prangen die überdimensionalen Schwarz-Weiß-Porträts der vier Darsteller. In diesem raffinierten Bühnenraum spielt Arthur Schnitzlers "Reigen" in der Inszenierung von Verena Buss zum Saisonauftakt der Helmut Förnbacher Theater Company im Badischen Bahnhof Basel. In der ersten Szene kommen die vier Schauspieler ausgelassen tanzend auf die Bühne, mit weißen Rosen in der Hand oder zwischen den Zähnen ein spielerisch anmutender Einstieg in diesen "Reigen" flüchtiger Begegnungen, Amouren und Umarmungen, der 1920 einen veritablen Theaterskandal auslöste. Schnitzler schildert darin Begegnungen verschiedener Paare in immer neuen Konstellationen Dirne trifft Soldat, Soldat trifft Stubenmädchen, Stubenmädchen trifft jungen Herrn, junger Herr trifft verheiratete Frau, verheiratete Frau trifft Ehemann, Ehemann trifft süßes Mädel, süßes Mädel trifft Dichter, Dichter trifft Schauspielerin, Schauspielerin trifft Graf… Die Paare sind in kurzen Dialogen vor und nach dem Liebesakt zu erleben: ein Wechselspiel von Verführung, Begierde, Erfüllung, Enttäuschung, Heuchelei, heimlichen Affären, Ehebruch, unbeholfen-schüchternen, kühl berechnenden oder zärtlich-romantischen Annäherungen. Quer durch alle Klassen und sozialen Stände zeichnet Schnitzler ein entlarvendes Bild der Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert in damals auf viele schockierend wirkender Offenheit. Heute schockiert das niemanden mehr, und wie Verena Buss diesen "Reigen" inszeniert, nimmt ihm jegliche schwüle Fin-de-Siècle-Atmosphäre. In Buss’ stimmiger und kluger Regie ist dieser "Reigen" erfrischend modern, leichthändig und voller überraschender Einfälle inszeniert. Ihre Akteure spielen in heutiger Kleidung, lassen die Beziehungsgeflechte der Paare und das immer neu variierte Ritual der Verführung zeitlos frisch wirken. Auch Ironie und Verfremdung kommen bei Buss ins Spiel, wenn die Paare mit einem auffordernden "Komm, komm, komm" im Gewächshaus verschwinden, verdeckt und verborgen hinterm dschungelhaft dichten grünen Blätterwerk, nur noch diffus in Andeutungen erkenntlich. In diesen Szenen lässt Buss tiefromantische Schubert-Lieder einspielen, Lieder von Sehnsucht, Glück und Tränen der ewigen Liebe, gesungen in innigster Inbrunst der Gefühle. Das bricht die Szenen ironisch auf, so wie die Regisseurin überhaupt diesen Reigen von Sinnestaumel und Gefühlsleere sehr geschickt umsetzt in atmosphärischen Theaterbildern und raffinierten Übergängen. Es schwingt in dieser Inszenierung immer mit, dass dieser Reigen wie ein Tanz ist, ein Tanz zwischen Eros und Tod, flüchtigem Rausch und "überirdischer Seligkeit". Hervorragend gezeichnet sind die Figuren. Hier hat Buss vier ausgezeichnete Schauspieler zur Hand, die diese Facetten zwischen Zärtlichkeit, Melancholie, Lebenslust, Lebenslüge, Arroganz und Traurigkeit gekonnt auf die Bühne bringen. Anja Becher agiert herausfordernd sinnlich und selbstbewusst als Dirne im hautengen Schwarzen, wenn sie den Soldaten auf dem Weg zur Kaserne anlockt. Einen starken Auftritt hat sie auch als untreue Ehefrau Emma, die sich im Trenchcoat, mit Tuch und Sonnenbrille zu ihrem Schäferstündchen begibt, von ihrem jungen Kavalier umschmeicheln lässt und ständig von Scham und Schuld geplagt wird. Große Klasse auch ihre Darstellung der Schauspielerin, einer exaltierte Theaterdiva in Rot, die ihre Madonna anbetet und sich selbst anhimmeln lässt. Ebenso gefällt die rothaarige Karin Ochsner als Fräulein Marie, die sie in einer nuancierten Mischung aus Naivität und Kessheit spielt, und als "süßes Mädel", das mit dem Ehemann im Chambre Separée turtelt, halb Unschuld, halb Verführerin und Verführte zugleich. Großartig besetzt sind auch die Männerrollen mit zwei neuen Schauspielern im Förnbacher-Ensemble: Christian Packbier gibt überzeugend den jungen Herrn mit Mutterkomplex, der seiner verheirateten Geliebten verfallen ist, und den Dichter mit allerlei hochtrabenden Flausen im Kopf. Leidenschaftlich und intensiv, geradezu fiebrig in den Emotionen und Abgründen und mit fabelhafter Bühnenpräsenz, steigert sich Michael R. Buseke in seine Figuren: den Ehemann Karl, der seine Frau Emma hingebungsvoll vergöttert und sie im nächsten Moment mit dem "süßen Mädel" betrügt. Und den Grafen, der wie eine noble Erscheinung geisterhaft durchs Geschehen wandelt, theatralisch überhöht mit weißem Gesicht, und zum Schluss die schlafende Dirne verlässt. Der Schlaf macht alle gleich, so wie sein Bruder, der Tod ein melancholischer Ausklang dieses "Reigens". Eine sehr sehenswerte Inszenierung! Roswitha Frey (Badische Zeitung) |
Ein Spiel um Lust und Macht Der Tanz der vier Schauspieler zu Beginn der Inszenierung ist Symbol für das, was die Zuschauer im folgenden erwartet: ein Karussel der Begegnungen und flüchtigen Umarmungen, ein Tanz mit immer wiederkehrenden drei Schritten: Gier, Genuss und Kälte - ein Totentanz des Eros. Zum Saisonauftakt hat die Helmut Förnbacher Theater Company im Badischen Bahnhof Basel Arthur Schnitzler's Reigen auf die Bühne gebracht. Ein Theaterstück, das 1921 in Berlin und Wien einen Theaterskandal auslöste. Skandalös ist das Stück zwar heute nicht mehr - aktuell ist der Stoff, der um Verführung, Lust, Macht und Liebe kreist, jedoch bis heute. Zudem überrascht die Inszenierung von Verena Buss mit erfrischend modernen Ideen. Das Stück wirkt in dieser Form zeitlos - auch optisch. Die Schauspieler agieren in aktueller Kleidung. Alles dreht sich im Reigen um die schönste Nebensache der Welt. Wer erobert wen am schnellsten?, das ist hier die Frage. Und erobert wird hier am laufenden Band - ohne Rücksicht auf soziale Herkunft oder Lebensalter. Die Paare erleben einen Reigen der Verlockung, des Lügens und Liebens, der Hingabe und nicht selten auch der Enttäuschung. Das immer gleiche Bühnenbild ist dabei ebenso schlicht wie raffiniert: Auf der Bühne steht eine lange Tafel, bedeckt mit einem weißen Tischtuch. Darauf stehen Gläser, Weinflaschen und ein Kübel mit weißen Rosen. Auf der anderen Seite steht ein Gewächshaus mit wild wuchernden Pflanzen. Über allem thronen die vier überdimensionalen Schwarz-Weiß-Portraits der vier Darsteller. Das Beziehungskarussell dreht sich in dieser Kulisse munter. Es begegnen sich nacheinander verschiedene Paare in immer neuen Konstellationen: Dirne trifft Soldat, Soldat trifft Stubenmädchen, Stubenmädchen trifft jungen Herrn, junger Herr trifft junge Frau, junge Frau trifft Ehegatte, Ehegatte trifft süßes Mädel, süßes Mädel trifft Dichter, Dichter trifft Schauspielerin und Schauspielerin trifft Graf - dargestellt von Anja Becher, Karin Ochsner, Michael R. Buseke und Christian Packbier. In zehn Dialogen - frivol und zärtlich, ironisch und melancholisch, triebhaft und todtraurig - zeichnet Schnitzler sein Sittenbild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts nach. Jede der zehn Szenen spielt unmittelbar vor oder nach dem Koitus, der in der literarischen Vorlage durch Gedankenstriche ausgespart wird. In der modernen Inszenierung von Verena Buss ist das jedoch anders: Sie hat das Gewächshaus als Ort der Verführung gewählt. Hier geben sich die Paare, mal laut und triebhaft, mal zärtlich und stumm, ihrer Lust hin. Begleitet von den schwerromantisch-schwülstigen Kompositionen Franz Schuberts und Arnold Schönbergs - eine raffiniert komische, teils zum Schmunzeln anregende Verbindung. Amüsant sind heute, 90 Jahre nach der Uraufführung, stellenweise auch die Dialoge, die gleichzeitig Spiegel einer Doppelmoral und eines Standesdenken sind, wie sie die Zeit um 1900 prägte. Beispielsweise wenn der Dichter zum süßen Mädel sagt: Freilich bist du so dumm. Aber gerade darum hab' ich dich lieb. Ah, das ist so schön, wenn ihr dumm seid. Überzeugen können sowohl die Inszenierung von Verena Buss sowie die Leistung der Schauspieler, die mühelos in die verschiedenen Rollen schlüpfen und deren Facetten ausloten. In jeder Hinsicht ein Glücksfall ist Anja Becher, ganz gleich ob sie sich als Dirne im hautengen, kleinen Schwarzen dem Soldat anbiedert oder als hysterische Theaterdiva agiert. Glänzend auch ihre Vorstellung als untreue Ehefrau, die mit Sonnenbrille, Kopftuch und zugeschnürtem Trenchcoat bei ihrer heimlichen Liaison erscheint - dabei ständig geplagt von Schuldgefühlen. Mit ihren vollen Lippen und ihren dunklen, schweren Augen ist sie Sinnbild der Sehnsucht, die alle in diesem Stück umtreibt. Eine äußerst gelungene, sehenswerte Inszenierung. Chapeau! Claudia Bötsch (Oberbadische Zeitung) |
| Im Gewächshaus gehts zur Sache Vrena Buss inszeniert Schnitzlers Reigen im Förnbacher Theater Basel Die Inszenierung von Arthur Schnitzlers «Reigen» im Förnbacher Theater Ist modern, witzig und ernst zugleich. Es geht um Sex - und doch nicht. In Arthur Schnitzlers Stück „Reigen“ wollen alle Protagonisten nur eines. Das Kennenlernen und Verführen jedoch ist wichtiger. Und das Nachher ist bezeichnend. So betrachtet, hat das Theaterstück das bei der Uraufführung in Berlin im Jahre 1920 einen Skandal auslöste, nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Die ganze Thematik ist zeitlos: Man begehrt gierig, es folgt der Genuss und danach trennt man sich gefühlskalt. Die Inszenierung von Verena Buss im Förnbacher Theater am Badischen Bahnhof untermalt dieses Wechselbad der Gefüle sehr effektiv. Die Darsteller agieren auf einer schwarzen Bühne - über der ihre Schwarz-Weiss-Porträts hängen. Karg ist die Ausstattung: ein Tisch mit weissem Tischtuch, das auch als Leintuch benutzt wird. All dies vermittelt Kälte. Warm wirds nur, wenn es zur Sache geht, im Gewächshaus. Der Kreis schliesst sich Zehn Dialoge hat Schnitzler geschaffen, zehn Szenen, in denen jeweils zwei Personen aufeinandertreffen und sich wieder. trennen. Die Dirne tut es mit dem Soldaten, dieser mit dem Stubenmädchen. Die Bedienstete schläft mit dem jungen Herrn, bevor er es mit der jungen Dame macht, die später in den Armen ihres Gatten liegt. Dieser wendet sich einem süssen Mädel zu, das darauf einen Dichter trifft, den es zu einer Schauspielerin zieht. Der Graf besucht erst sie und zum Schluss - somit schliesst sich der Kreis - die Dirne. Mal ist die Verführung kurz und unromantisch, wie zwischen der Dirne und dem Soldaten, mal fast unschuldig spassig wie beim jungen Herrn und dem Stubenmädchen. Viel Poesie und Stendhal bringen der junge Herr und die junge Dame ins Spiel, während das Ehepaar ins Philosophieren gerät, genau wie der Graf in den Gemächern der Schauspielerin. Der Schriftsteller und das süsse Mädel reden aneinander vorbei, der Soldat und das Stubenmädchen sprechen fast gar nicht. Dass der nächste, Partner oder die nächste Partnerin immer auch schon auf der Bühne ist, zumindest physisch, bringt zusätzliche Spannung ins Stück. Entspannt geniesst das Publikum dagegen die Slapstick-Szenen im Gewächshaus. Untermalt werden diese durch „unschuldige“ Schubert-Lieder, in denen die „heitere Welt der Liebe“ besungen wird. Perfekte Ironie. Frage nach der Liebe Obwohl kaum je wirklich von Liebe die Rede ist, stellen alle Protagonisten immer wieder die Frage: „Hast du mich lieb?» Kaum je wird sie beantwortet. Der Graf sinniert: „Wenn man daran glaubt, ist immer eine da, die einen gern hat.“ Er personifiziert zum Schluss theatralisch den Tod - wie im Tod sind im Schlaf alle gleich - und lasst den Reigen dadurch sehr düster enden. Obwohl dem Stück eine dunkle Note anhängt, tanzen die vier Darstellerinnen und Darsteller leicht und locker durchs Leben, durch die Liebe und über die Bühne. Man achte unbedingt auf die Schritte beziehungsweise die Schuhe. Anja Becher, Michael R. Buseke, Karin Ochsner und Christian Packbier haben starke Auftritte. Sie verleihen den Figuren die nötige Tiefe wie auch Oberflächlichkeit. Ihre Blicke sagen alles und doch nichts, um es wie der junge Herr mit Stendhal zu halten. Andrea Mašek (BZ) |