Nick Whitby
Sein oder Nichtsein

nach dem wunderbaren Film-Klassiker von Ernst Lubitsch.




Filmplakate vom Originalfilm "To be or not to be" von Lubitsch (1942) und von Mel Brooks Parodie (1983)


Sein oder Nichtsein ist eine turbulente, einfallsreiche, witzige und treffsichere Satire.

Die Story: Warschau kurz vor Kriegsbeginn. Am Tura Theater verhindert die Zensur die Premiere einer Hilter-Parodie. Stattdessen spielt das Ensemble jetzt Shakespeares Hamlet mit Josef Tura in der Titelrolle. - Zum Entsetzen des Schauspielers steht während des berühmten Hamlet-Monologes (Sein oder Nichtsein) ein junger Offizier im Zuschauerraum auf und geht hinaus... er hat mit Maria Tura, der Ehefrau des Hauptdarstellers, ein heimliches Rendezvous in ihrer Garderobe...

Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Die Deutschen marschieren in Polen ein. Das Theaterensemble schliesst sich dem Widerstand an. - Um zu verhindern, dass ein Spion Unterlagen über die Widerstandskämpfer der GESTAPO übergeben kann schlüpft das Ensemble des Theaters in die Rollen der deutschen Besatzer. Es beginnt eine fulminante Verwechslungskomödie voller Wort- und Spielwitz. Aus der abgesetzten Antinazi-Komödie wird ein wahnwitziges Spiel um Leben und Tod.

Ernst Lubitsch drehte „Sein oder Nichtsein“ 1942 im amerikanischen Exil. Die Vorlage lieferte ihm ein enger Freund, der ungarische Dramatiker, Journalist und Kritiker Melchior Lengyel. Der Film avancierte zum Klassiker.


Es spielen: Michael R. Buseke Caroline Felber Helmut Förnbacher Lothar Hohmann David Köhne • Dieter Mainka • Kristina Nel • Christian Packbier • Stefan Uehlinger Matthias Zelazko • Reto Ziegler

Inszenierung: Helmut Förnbacher



Pressestimmen

„Sein oder Nichtsein To Be or Not To Be“

Förnbacher goes Hollywood. Nein, Helmut Förnbacher dreht seine Spielfilme nicht in der Traumfabrik. Er holt in dieser Spielzeit die berühmten Filmstoffe nach Basel. Wie jetzt den Filmklassiker Sein oder Nichtsein To Be or Not To Be. Der raffinierte Anti-Nazi-Film von Ernst Lubitsch von 1942 spielt im Theater. Und das ist in diesem Kontext - alle Produktionen des Förnbacher Theaters in dieser Saison haben mit großem Kino zu tun - geradezu ideal.

Lubitsch war einer der größten Komödienregisseure Hollywoods und mit seiner sophisticated comedy weht ein Hauch von Weltkino durch die Theaterhalle im Badischen Bahnhof. In der Bühnenversion von Nick Whitby nach dem Originaldrehbuch geht es um ein Warschauer Privattheater, das nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen schließen muss. Die Schauspieler gehen in den Untergrund und unterstützen die Widerstandsbewegung. Es beginnt eine Verwechslungskomödie, die Shakespearesche Qualitäten hat: Die Schauspieler verkleiden sich als Gestapo-Leute und spielen den Nazi-Machthabern was vor. Man kann sich denken, dass sie sich fast um Kopf und Kragen spielen. Was ist noch Wirklichkeit, was schon Theater? Bühne und Realität fließen ineinander. Dazu kommt eine melodramatische Liebesromanze. In diesen Szenen menschelt es dann in diesem bissigen Anti-Nazi-Stück, in dem Lubitsch die Braunhemden persifliert, sie der Lächerlichkeit preisgibt, ohne sie zu verharmlosen.

Wie bringt man nun diesen Film auf die Bühne, gerade in einer Zeit, in der umstrittene Kinofilme über das Dritte Reich wie Jud Süss mit Moritz Bleibtreu Schlagzeilen machen? Helmut Förnbacher hat es gewagt und gewonnen. Er inszeniert professionell, intelligent, weiß seinen Theaterinstinkt und seine Erfahrung als Regisseur zahlloser Fernseh-Spielfilme einzubringen. Förnbacher ist aber kein Regie-Provokateur, der sein Publikum vor den Kopf stößt. Er treibt mit dem Entsetzen nicht noch zusätzlich Scherz, sondern hält die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik. Natürlich muss in einer solchen Farce Hitler ins Karikaturhafte überzeichnet werden. Wir sind ja nicht in einem Historienfilm mit political correctness und schon gar nicht in einem demagogischen Propagandafilm, sondern in einer Satire. Und Satire darf bekanntlich alles. Das wusste schon Charlie Chaplin in seinem Anti-Nazi-Kultfilm Der große Diktator.

Förnbacher selbst spielt in der Hauptrolle den Theaterdirektor Josef Tura, der seinerseits in die Uniform eines Gruppenführers schlüpft und ihn mit wohldosierten feinen schauspielerischen Mitteln mimt, ohne Übertreibungen. Kristina Nel gibt glamourös und mit großer Bühneneleganz die 40er-Jahre-Diva. Handkuss! Eine große Überraschung ist der Ensemble-Neuzugang Michael R. Buseke, der aus der heiklen Rolle des Gruppenführers Erhardt die brillante Charakterstudie eines feisten Zynikers macht. Dieter Mainka kann dank Maske glatt als Hitler-Groteske durchgehen, und Lothar Hohmann als toter Spion knallt effektvoll ständig mit seinem Kopf auf die Tischplatte. Und wenn sich Matthias Zelazko als Fliegeroffizier, der in der Garderobe eine Affäre mit Frau Tura hat, beim Stichwort Sein oder Nichtsein durch die dritte Reihe zwängt, ist das ein wunderbarer Running Gag.

Jürgen Scharf (Oberbadische Zeitung)






„Verschworene Gemeinschaft“
Förnbacher Theater im Badischen Bahnhof Basel zeigt Nick Whitbys Komödie "Sein oder Nichtsein".

"Sein oder Nichtsein": Immer wenn der Hamlet-Darsteller im Frack zu diesem Monolog ansetzt, kommt Unruhe in der dritten Reihe auf. Ein junger Fliegerleutnant in Uniform zwängt sich durch die Zuschauer und verlässt das Theater. Er hat ein heimliches Rendezvous in der Garderobe der Theaterdiva Maria Tura, der Ehefrau des Hamlet-Mimen… Diese Szenen sind Schlüsselszenen in dem Theaterstück "Sein oder Nichtsein" von Nick Whitby nach dem gleichnamigen Filmklassiker von Ernst Lubitsch. Nach dem Drehbuch des Lubitsch-Films von 1942 entstand diese Komödie, die das Förnbacher Theater im Badischen Bahnhof Basel als zweite Saisonpremiere auf die Bühne bringt. "Sein oder Nichtsein" wird zum Losungswort für eine Gruppe von Schauspielern im besetzten Polen.

Das Stück beginnt 1939 in Warschau, als die Deutschen kurz vor dem Einmarsch in Polen stehen. Theaterdirektor Josef Tura, ein erklärter Gegner der Nationalsozialisten, probt in seinem Theater die bissige Hitler-Satire "Ein Geschenk von Hitler". Hakenkreuzfahnen, ein Porträt des Führers, die Darsteller in Nazi-Uniformen suggerieren eine Szene im Gestapo-Hauptquartier. Aber "Lachen über Hitler", Witze über den Führer lehnt die Zensurbehörde als Provokation ab und verbietet das Stück. Also wird stattdessen wieder Hamlet gespielt, im Frack. Kurze Zeit später wird aus dem Theaterspiel bitterer Ernst, ein Spielen um Leben und Tod. Bei Kriegsausbruch tauchen die Schauspieler in den Untergrund ab und schließen sich der Widerstandsbewegung an. Als sie von der Gestapo bedroht werden, holen sie ihre Nazi-Kostüme und das Bühnenbild vom Hitler-Stück wieder hervor und spielen so glaubwürdig als möglich echte Nazis, um ihr Leben und das der Untergrundkämpfer zu retten.

Es ist eine Verwechslungskomödie, eine Satire, eine Farce, in der die skrupellosen Machenschaften und Machtgebärden der Nazi-Größen persifliert, entlarvt und der Lächerlichkeit preisgeben werden. Und doch wirkt gerade dieses Satirische umso demaskierender. "Sein oder Nichtsein" ist aber auch ein Stück über das Theaterleben, über Schauspieler und deren Eitelkeiten und Rivalitäten, über Mut, Zivilcourage und Zusammenhalt in schweren Zeiten. All dies bringt Helmut Förnbacher in seiner Inszenierung wunderbar in Balance: den politischen Ernst des Hintergrunds, die humorvollen und tragikomischen Untertöne, das Menschliche, Bewegende der Geschichte. Mit viel Gespür bringt er die Atmosphäre des Films auf die Theaterbühne, setzt filmisch anmutende Mittel ein, einen Erzähler, eingeblendete Musik, Stimmen, Geräusche wie Bombengetöse und Detonationen, die den Kriegsausbruch markieren. Besonders berührend sind die Szenen im Versteck, wenn die Truppe in gedrückter Stimmung das Radio umringt, sich Angst breit macht, entdeckt zu werden.

Helmut Förnbacher spielt als Josef Tura das, was er auch im wirklichen Leben ist: einen Schauspieler und Theaterdirektor aus Leidenschaft. Und er geht völlig in dieser facettenreichen Rolle auf, spielt den in seiner Eitelkeit gekränkten Mimen Tura, den rasend eifersüchtigen Ehemann und den mutigen couragierten Theaterleiter, der den Nazis die Stirn bietet und sie als falscher Gruppenführer und Spion blufft – die Rolle seines Lebens. Ebenso glänzend agiert Kristina Nel als umschwärmter Theaterstar Maria Tura, glamourös, elegant und mondän, selbst im Verhör bei der Gestapo behält sie die Allüre der kühlen betörenden Diva bei. Ihren Verehrer, den polnischen Fliegeroffizier Sobinsky, gibt Matthias Zelazko überzeugend in der unbeholfenen Schwärmerei.

Ein schauspielerisches Kabinettstück gelingt Michael R. Buseke, der als Gruppenführer Erhardt das Gefährliche, Fanatische und Farcenhafte dieser Figur brillant zum Vorschein bringt. Auch die anderen Rollen sind hervorragend besetzt, angefangen von Lothar Hohmann als eiskaltem Gestapo-Spion bis zu Caroline Felber als liebevoll-herzlicher Garderobiere Anna, der guten Seele des Theaters. Die ganze Company überzeugt als das, was sie auch in Wirklichkeit ist: eine verschworene Theatergemeinschaft.

Roswitha Frey (Badische Zeitung)




„Lachen gegen den Terror“
Im Förnbacher-Theater geht es um «Sein oder Nichtsein»
Helmut Förnbacher und seine Company bringen Ernst Lubitschs Filmklassiker auf die Bühne.

Im Badischen Bahnhof hängen wieder Hakenkreuz Fahnen! Zum Glück nur in der Kulisse des Fönbacher-Theaters und nicht, wie im Frühjahr 1933, an der Aussenfassade des monumentalen Bauwerks.

Warschau, 1939: Der polnische Star- Schauspieler Josef Tura (Helmut Förnbacher) und seine Theatertruppe sind gerade in den Endproben für eine antifaschistische Komödie, als die Deutschen in Polen einmarschieren.

Die Premiere wird verboten, Lachen über Hitler ist jetzt nicht mehr möglich. Hals über Kopf schliesst sich das Theaterensemble dem polnischen Widerstand an, spielt «Hamlet», bis eine Bombe ihre Spielstätte verwüstet. Um einen Gestapo-Spion aufzuhalten, der verhängnisvolle Informationen über die geheime Oppositionsbewegung besitzt, schlüpfen die Schauspieler in die Rolle der deutschen Besatzer. Es beginnt ein Verwechslungs-spiel um Leben und Tod.

Als der Film 1942 in die Kinos kam, musste sich Regisseur Ernst Lubitsch für seine satirische Verarbeitung des Nazi-Terrors rechtfertigen. Heute fühlt man deutlich, wie sehr ein Lachen, das im Halse stecken bleibt, beklemmen kann - manchmal mehr als die immer gleichen Dokumentaraufnahmen des Schreckens. Dass dieses bedrückende Gefühl trotz allen Nazi-Klischees auf den Zuschauer übertragen wird, ist ein entscheidender Gewinn des Abends. …

Simon Strauss (BaZ)